Dienstag, 14. Januar 2014 09:40
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Ein einziger Gedanke eines Heiligen hat die Kraft, das ganze Leben zu verändern.
Es gibt da so einen Trick: die Vorstellung von Heiligkeit so zu erheben, zu überhöhen, dass die Heiligkeit von vorne herein unerreichbar scheint, unwirklich. Irreal. Tatsächlich aber ist die heilige Praxis einfach – praktisch eben. Völlig real. Gott schenkt einem jeden von uns die Zeit. Diese Zeit können wir anfüllen mit dem Licht der Heiligen.
Höchste Zeit mit den Heiligen zu leben.
Im Verlauf des Jahres gedenkt die Kirche der Heiligen, damit alle nachfolgenden Generationen sich ihr Leben, ihre Werke, Worte und vor allem ihre Denkweise, die Herzensbildung aneignen können. So dringt die Heiligkeit in ununterbrochener Tradition in unsere sündige Welt ein, greift Platz darin. Auch in unserer Zeit wandeln heilige Menschen auf unserer Erde, Gottgefällige, Tempel des Heiligen Geistes – diese lebendigen Vorbilder zur Nachfolge. Erkennen kann sie aber nur der, der im selben Geist zu leben beginnt.
 

(2.) 15. Mai - Hl. Athanasius der Grosse
Niemand darf diesen etwas beifügen, und Niemand von diesen etwas wegnehmen.

Allein da wir die Ketzer als Todte erwähnt haben, uns aber als solche, welche die göttlichen Schriften zum Heile besitzen; und weil ich fürchte, es möchten, wie Paulus an die Korinther schrieb, einige Wenige aus den Unbehutsamen von ihrer Einfalt und Reinheit durch die Arglist gewisser Menschen abgelenkt werden, und sie möchten alsdann andere Bücher, welche man Apokryphische nennt, zu lesen anfangen, getäuscht durch die Gleichheit des Namens der echten Bücher; so nehmet es, ich bitte euch, nicht mit Unwillen auf, wenn ich von Dingen, die ihr wohl kennet, in meiner Schrift Erwähnung thue, weil es nothwendig und für die Kirche nützlich ist.

Indem ich aber dieselben zu erwähnen im Begriffe bin, will ich im Anfange meines kühnen Unternehmens mich der Form des Evangelisten Lukas bedienen, und mit ihm sagen: „Nachdem es Viele versucht haben," die sogenannten apokryphischen Bücher für sich selbst zu ordnen, und sie der vom göttlichen Geiste eingegebenen Schrift einzuverleiben, der Schrift, über welche wir völlige Gewißheit haben, wie den Vätern diejenigen meldeten, welche vom Anfange an Augenzeugen und Diener des Wortes waren; habe auch ich beschlossen, von aufrichtigen Brüdern aufgefordert und von oben belehrt, die Bücher der Reihe nach aufzuzählen, welche als göttliche im Canon verzeichnet, als solche überliefert und für solche gehalten worden sind; damit ein Jeder, welcher verführt worden ist, seine Verführer verdamme, derjenige aber, welcher rein geblieben ist, wieder daran erinnert sich freue.

Die Bücher des alten Testamentes sind also der Zahl nach im Ganzen zwei und zwanzig. Denn so viele Buchstaben sollen, wie ich gehört habe, die Hebräer haben. Der Ordnung und dem Namen nach aber sind sie im Einzelnen folgende: Erstens die Genesis, zweitens der Exodus, drittens der Leviticus, viertens Numeri, und fünftens das Deuteronomium. Auf diese folgen Iosua, der Sohn Nuns, die Richter, und nachher das Buch Ruth. Alsdann ferner die vier Bücher der Könige, von welchen das erste und zweite Buch als Ein Buch gezählt werden, und das dritte und vierte gleichfalls als Eines. Nach diesen werden das erste und zweite Buch Paralipomenon ebenfalls wieder als Ein Buch gezählt; hierauf das erste und zweite Buch Esdras gleichfalls für Eines. Nach diesen das Buch der Psalmen, und darauf die Sprüche, dann der Ekklesiastes und das Hohelied. Zu diesen gehört auch Job, und alsdann die Propheten, von welchen zwölf als Ein Buch gerechnet werden; alsdann Isaias, Ieremias und mit diesem Baruch, die Klaglieder, ein Brief, nachher Ezechiel und Daniel. So weit gehen die Bücher des alten Testamentes.

Aber auch die Bücher des neuen Testamentes aufzuzählen darf man nicht unterlassen. Diese sind nämlich: Vier Evangelien, nach Matthäus, nach Markus, nach Lukas, nach Johannes. Alsdann die Geschichte der Apostel, und die sogenannten sieben katholischen Briefe der Apostel, nämlich: Einer von Iakobus, zwei von Petrus, dann drei von Johannes, und ferner Einer von Judas. Ausser diesen sind vierzehn Briefe des Apostels Paulus vorhanden, welche in folgender Ordnung geschrieben sind: Der Erste an die Römer, dann zwei an die Korinther, und hierauf an die Galater; dann an die Epheser, alsdann an die Philipper und an die Kolosser, nach diesen zwei an die Thessalonicher, und der an die Hebräer, hierauf zwei an den Timotheus, und Einer an Titus; zuletzt der an den Philemon; weiterhin die Offenbarung des Johannes.

Dieses sind die Quellen des Heiles, welche den Dürstenden mit ihren Worten erfüllen; in diesen allein wird die Lehre der Frömmigkeit verkündet. Niemand darf diesen etwas beifügen, und Niemand von diesen etwas wegnehmen. In Bezug auf diese beschämte der Herr die Saducäer, mit den Worten, „Ihr seyd irrig daran, da ihr die Schriften nicht könnet." Die Juden aber ermahnte er mit den Worten: „Forschet in den Schriften, denn sie sind es, die von mir Zeugniß geben." Allein wenigstens der größern Genauigkeit wegen füge ich nothwendiger Weise auch noch dieses meinem Schreiben bei, daß es nämlich ausser diesen auch noch andere Bücher gibt, welche zwar nicht in den Canon aufgenommen, aber von den Vätern für diejenigen zum Lesen vorgeschrieben sind, welche erst eintreten, und in dem Worte der Frömmigkeit unterrichtet werden wollen. Diese sind die Weisheit Salomons, und die Weisheit Sirachs, Esther, Judith, Tobias, die sogenannte Lehre der Apostel, und der Hirt.

Und doch, Geliebte, obwohl jene in den Canon aufgenommen sind, und diese gelesen werden, wird nirgends der apokryphischen Bücher gedacht; sondern diese sind eine Erdichtung der Ketzer, welche nach Belieben Bücher schreiben, und denselben auch Zeiten zuschreiben, und beilegen, damit sie unter dem Vorwande des Alters derselben Gelegenheit haben, die Unbehutsamen hiedurch zu hintergehen.

Dieser Brief, dessen Anfang fehlt, gehört wahrscheinlich zu den Festbriefen (eortastikai epistolai, Epistolae Festales) des heil. Athanasius, deren Hieronymus in seinem Buche über die Kirchenschriftsteller gedenkt. Daß der Heilige bei der Aufzählung der canonischen Bücher die Meinungen über die Autorität einiger Bücher der heil. Schrift nicht anführt, darf uns nicht befremden, denn er wollte die Streitfragen hinsichtlich derselben, weil sie die Fassungskraft des Volkes übersteigen, nicht angeben.

Ein Bruchstück aus dem neununddreißigsten Festbriefe des heil. Athanasius (295-373). -

Quelle: Bliothek der Kirchenväter -

- Fortsetzung folgt --  Namenskalender der Russisch-Orthodoxe Kirche -